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Abrasionsgebiss - Ursachen und Folgen

Kurze, abgeschliffene Zähne - nur ein Schönheitsfehler?

 

Die Zähne im menschlichen Gebiss wachsen nicht nach, wie etwa beim Nagetier. Nachdem die zweiten, also die bleibenden Zähne durchgebrochen sind, sollen diese ein ganzes Leben lang ihre physiologischen Funktionen beim Kauen und Sprechen erfüllen.

Viele Menschen bemerken jedoch, wie besonders ihre Frontzähne mit den Jahren immer kürzer werden, keine Größenunterschiede mehr erkennen lassen und wie abgenutzt erscheinen. Sind die Front- und Seitenzähne gleichermaßen betroffen, liegt ein sog. Abrasionsgebiss vor.

 

Der fortschreitende Abrieb der Zähne, also ein zunehmender Zahnsubstanzverlust, wird in erster Linie zwar als unschön empfunden, die wenigsten jedoch wissen, dass es einen Zusammenhang geben kann zwischen ihren zu kurzen, abradierten Zähnen und Fehlfunktionen im Kiefergelenk. Diese Funktionsstörung von Zähnen und Kiefergelenk, man spricht von einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD), kann vielfältige Schmerzen und Beschwerden nach sich ziehen, neben Kopf- und Kieferschmerzen auch Trigeminus-Neuralgien und Tinnitus. Selbst in Körperregionen, die in erster Linie nicht in Zusammenhang mit Zahnproblemen gebracht werden, kann es zu vielfältigen Symptomen kommen, wie Schulter-Nacken- und Rückenschmerzen.

                                    

                                                                    Abradierter Ober- und Unterkiefer

 

Welche Ursachen hat die Zahnabrasion?

 

Häufigsten Ursachen für die fortschreitende Zahnabrasion sind das Zähneknirschen und Zähnepressen, der sog. Bruxismus, von dem etwa ein Drittel der Bevölkerung betroffen ist. Das Knirschen und Pressen findet besonders nachts statt und wird von den meisten Patienten nicht bewusst wahrgenommen. Der Trigger, also der Verstärker für dieses Verhalten, ist psychoemotionaler Stress, der nachts abgebaut wird. Sprichworte wie „verbeiß Dich doch nicht so in diese Sache“ oder „schau nicht so verbissen“, zeigen den Zusammenhang auf.

Da beim Knirschen und Pressen enorme Kräfte wirken, bis zu 800 N und das über bis zu 40 Minuten Dauer, wird mit der Zeit nicht nur der Zahnschmelz, sondern sogar die harte Zahnsubstanz abgenutzt. Es kommt zu Schliffflächen an den Kanten der Schneidezähne, Schmelzrissen und -frakturen und Defekten an den Zahnhälsen, bis im Extremfall nichts mehr von der ursprünglichen Zahnkrone übrig ist.

Folge des Pressens und Knirschen sind eine Dauerbelastung von Kau- und Gesichtsmuskulatur, sie verspannt und verhärtet sich.

 

Eine weitere Ursache für die unphysiologische Abrasion können auch genetisch bedingte, angeborenen Fehlstellungen der Zähne sein. Sehr häufig jedoch sind ein schlecht angepasster Zahnersatz, beispielsweise falsch sitzende Kronen, Brücken und Füllungen, misslungene Implantate oder schlecht sitzende Prothesen verantwortlich für die unnatürliche Abnutzung der Zähne; gleichermaßen kieferorthopädische Überregulierungen. So beobachtet man vermehrt Abrasionsgebisse bereits bei jungen Patienten.

 

Welche Folgen hat der Zahnsubstanzverlust?

 

Der Mensch kaut „vertikal“, im Gegensatz zum Wiederkäuer, der „horizontal“ den Speisbrei zermahlt. Um dieses „vertikale Kaumuster“ aufrechtzuerhalten, bedarf es einer sog. Front- und Eckzahnführung; d.h. die Front-und Eckzähne zeichnen sich durch eine bestimmte physiologische Form, Länge und Stellung aus und bestimmen so wesentlich die Funktion des Gesamtgebisses.

 

Durch den Verlust der Zahnsubstanz kommt es zum Verlust dieses vertikalen Kaumusters. Die Front- und Eckzähne sind abradiert und können den Biss nicht mehr führen. Dies führt zu einem „horizontalen Kaumuster“, ähnlich dem Wiederkäuer. 

Ein „falscher Biss“ hat sich entwickelt.

Über Jahre und Jahrzehnte nutzen sich die Zähne weiter ab, so dass  z.T. ein Zahnsubstanzverlust von mehreren Millimetern vorliegen kann.

 

Die Folgen:

 

Die Kaumuskulatur und die das Kiefergelenk umgebende Muskulatur verkürzt sich. Die Kondylen der Kiefergelenke werden durch den Zahnsubstanzverlust bzw. die zu kurzen Zähne, in eine dorso-kraniale Position komprimiert. Es entsteht eine sog. Myoarthropathie, eine Erkrankung von Muskulatur und Kiefergelenk. In Folge kann es zu chronischen Schmerzen und Beschwerden im Kiefer-und Gesichtsbereich, aber auch im Bewegungsapparat, kommen. 

 

Durch eine Verengung des Gelenkspalts im Kiefergelenk wird auch ein sensibler Bereich in Mittelohrnähe, die sog. bilaminäre Zone, komprimiert.  Diese Kompression kann mitverantwortlich sein für Ohrgeräusche und Tinnitus.

 

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

 

Nicht alle Menschen mit abradierten Zähnen haben auch tatsächlich gesundheitliche Probleme, vom ästhetischen Empfinden einmal abgesehen. Bei ihnen findet eine ausreichende Adaptation und Kompensation, also Anpassung  an das falsche Kaumuster statt. Andere hingegen leiden unter vielfältigen, teils schwerwiegenden Symptomen. Man schätzt, dass ca. 20% der Bevölkerung unter behandlungsbedürftigen CMD-Symptomen leiden.

 

Man unterscheidet begleitende und ursächlich ansetzende Therapiemaßnahmen:

 

- Begleitend helfen alle Maßnahmen, die zu einer Entspannung der Muskulatur beitragen, wie physiotherapeutische Behandlungen oder auch Entspannungstechniken.

Sinnvoll ist in jedem Fall eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Zahnärzten, Ärzten und Therapeuten aus allen medizinischen Fachbereichen, für eine optimale Diagnostik und Therapie der Beschwerden.

 

- Die  ursächliche Therapie erfolgt mittels einer diagnostischen Aufbissschiene, die nicht nur die weitere Zahnabrasion aufhält, wie einfache Knirscherschienen, sondern die richtige Bisslage ermittelt und daraus die Möglichkeit für den prothetischen Aufbau der verlorenen Bisshöhe ableitet. 

 

Was ist zu tun gegen den Zahnsubstanzverlust?  (Verlust der Bisshöhe)

 

Ziel dieser ursächlich ansetzenden Therapie ist es,  den weiteren Zahnsubstanzverlust zu verhindern und die verloren gegangene Zahnsubstanz wieder aufzubauen. 

Dies ist in unterschiedlichem Ausmaß notwendig. So müssen bei Teilabrasionen z.B. an den Frontzähnen, also bei geringen Zahnsubstanzverlusten,  auch nur diese in Form von Veneers oder Teilkronen aufgebaut werden.

Liegt jedoch ein immenser Verlust der Bisshöhe vor, teils von 6-8 Millimetern, ist ein kompletter Aufbau des Gesamtgebisses notwendig, um wieder ein stabiles vertikales Kaumuster herstellen zu können.

 

Welche Bedeutung hat die diagnostische Oberkiefer-Aufbissschiene in der Therapie?

 

Entscheidend vor dem Aufbau der verloren gegangenen Bisshöhe, ist die Ermittlung der physiologischen Okklusion, also der „richtige Biss“ der Zähne von Ober- und Unterkiefer, in Bezug zu den beiden Kiefergelenken. 

 

Zur Ermittlung dieser funktionellen Okklusion wird die DROS®-Schiene, eine diagnostische Oberkiefer-Aufbissschiene, eingesetzt. Diese erreicht innerhalb von ca. 7-10 Wochen eine stabile Kondylenposition der Kiefergelenke als Grundlage für anschließende prothetische Aufbaumaßnahmen. Um die exakt aufzubauende Bisshöhe ermitteln zu können, wird ein diagnostisches Wax-up erstellt.

 

Mit Wiederherstellung der physiologischen Bisshöhe mit neuer Front- und Eckzahnführung, entsteht  wieder ein vertikales Kaumuster, die Muskulatur ist entspannt und die Kiefergelenke dekomprimiert.

 

Mehr Informationen von Ihrem Zahnarzt und DROS®-Therapeuten in Ihrer Nähe.